Mittelfischach - Altgemeinde~Teilort 

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Typauswahl: Ortsteil – Historisches Ortslexikon
Typ: Teilort
Ersterwähnung: 1319

Ortslage und Siedlung
(bis 1970):
Das 1319 erstmals erwähnte Mittelfischach entwickelte sich an der Kreuzung der vom Murr- und Rottal über Fichtenberg-Mittelrot-Gaildorf kommenden, nach Obersontheim-Crailsheim weiterführenden Straße und einem alten vom Einkorn kommenden nach Bühlertann-Ellwangen weiterführenden Weg. Möglicherweise wurde Mittelfischach als ältester der drei Fischach-Orte im Rahmen des frühmittelalterlichen Landesausbaus angelegt. Von den anderen Wohnplätzen ist Weiler der am frühesten erwähnte (1312: »Wyler«). Engelhofen ist erstmals 1319 (»Engelboltzhouen«) nachweisbar. Etwas jünger ist die Ersterwähnung Unterfischachs (1361: »Grafenvischach«, 1365: »Undernvischach«), das 1432 auch als »Nydernvischach« erwähnt wird. Erst 1582 wird der Rothof genannt. Abgegangen ist der 1091 erstmals erwähnte Wohnplatz »Saneuuelles«, der 1478 als Weilerstatt bezeichnet und möglicherweise 1449 zerstört wurde. Auch der 1462 erwähnte Wohnplatz »Beringers« ging später ab. In Mittelfischach wurden neue Wohngebiete in den Gewannen »Weinberg« (1964) im Westen und »Hofäcker« (1970) im Оsten errichtet.
Historische Namensformen:
  • Viscaha 1095
  • Mitteln-Vischach 1351
  • St. Johannsen Vischach 1319
  • Vischach
  • Mittelnvischach
  • sant Johans Vischach
Geschichte: Im 1319 erstmals als »Vischach«, 1351 als Mittelfischach (»Mittelnvischach«) beziehungsweise 1398 als »sant Johans Vischach« bezeichneten Ort sind im Spätmittelalter als Grundherren nachweisbar: die Herren von Enslingen (1334), von Vellberg (1351), die Hohenlohe (1369), die Herren von Sontheim (1376), von Rechberg (1398) sowie von Schrozberg (1423) als hohenlohische Lehnsleute. Zur 1376 erstmals erkennbaren limpurgischen Grundherrschaft gehörten 1741 acht Hofbesitzer, 18 Seldner und neun Häusler. Zusätzlich begütert waren die Limpurger in Engelhofen (1572), Unterfischach (1374) und Weiler (vermutlich 1572). In Engelhofen hatte auch Hohenlohe-Langenburg (1685) grundherrliche Rechte. Ellwangen war in Unterfischach (1380) und Comburg in Sanweles (1248) sowie in Engelhofen (1319) begütert. Verschiedene Niederadelsgeschlechter hatten Besitz, wie die Herren von Enslingen (1361), von Vellberg (1527) und von Rechberg (1403) in Unterfischach sowie letztere auch in Weiler (1378), wo möglicherweise 1085 auch die Herren von Bielriet begütert waren. In Engelhofen verfügten die Herren von Vohenstein (1319) und die Herren von Morstein (1423) über Besitz. Ein Drittel des Groß- und Kleinzehnten in Mittel-, Unterfischach und Weiler war hohenlohisches Eigen (1418), das als Lehen an die Vellberger ausgegeben war (1420), welche 1433 ein weiteres Drittel des Groß- und Kleinzehnten von Mittelfischach von den Schrozbergern ebenfalls als Lehen von Hohenlohe erwarben. Bis 1599 gingen die hohenlohischen Zehntrechte an Hall über. 1589 besaß die Pfarrei Mittelfischach ein Drittel am Großzehnten von Mittelfischach und Engelhofen sowie von Unterfischach und Weiler, wobei die beiden Letzteren möglicherweise Lehen waren. 1599 erwarben die Limpurger von Hall die gesamten ehemals hohenlohischen Zehntrechte, nämlich die Großzehnten in Unterfischach und Weiler und je zwei Drittel am Großzehnten und ein Drittel am Novalzehnten in Mittelfischach und Engelhofen. Die wohl ursprünglich den Comburger Grafen gehörenden Zehntrechte in Sanweles gingen 1091 an die Herren von Altdorf, später an Comburg, das 1478 zwei Drittel des Großzehnten innehatte. Limpurg besaß 1741 alle Hoheitsrechte und die Obrigkeit über 35 Untertanen in Mittelfischach. Die Hochgerichtsbarkeit in Engelhofen gehörte 1657 gleichfalls Limpurg sowie ein großer Teil der Niedergerichtsvogtei, die 1363/65 Ellwangen ausübte und von 1380 an schrittweise an Limpurg ging, so dass dieses 1657 14 und Comburg drei Gemeinderechte beanspruchte. Schließlich besaß Hohenlohe ebenfalls einen Anteil, der 1685/1740 gleichfalls an Limpurg ging. Unterfischach hatten 1560 Ellwangen, Comburg, Vellberg, Rechberg zu Heuchlingen und Hall als Ganherrschaft inne. 1657 jedoch verfügte Limpurg in Unterfischach mit Ausnahme von drei comburgischen Gütern über die Niedergerichtsbarkeit und auf sämtlichen Gütern über die Hochgerichtsbarkeit. 1509 wurden Hall und die Herren von Vellberg als Obrigkeit in Weiler bezeichnet, diese gehörte später Comburg zu einem und Limpurg zu zwei Dritteln, die 1803/06 an Württemberg gingen. Noch im 15. Jahrhundert werden durch die Erwähnung von Gemeinden in Mittelfischach (1444) und Unterfischach (1437) Strukturen kommunaler Selbstverwaltung sichtbar. 1581 erließ man eine Gemeindeordnung für Mittelfischach. 1657 gab es in Engelhofen 14 limpurgische und drei comburgische und in Unterfischach 27 limpurgische und drei comburgische Gemeinderechte. Am Ende der limpurgischen Herrschaft gehörte Mittelfischach zum Amt Sontheim der Linie Limpurg-Sontheim-Obersontheim, bis es 1806 an Württemberg kam und dem Oberamt Gaildorf unterstellt wurde. 1938 kam Mittelfischach zum Landkreis Schwäbisch Hall.
Wirtschaft und Bevölkerung: Die 1643 erstmals ermittelbare Bevölkerungszahl der Pfarrei Mittelfischach betrug 326 und stieg bis 1649 auf 364 an, um schließlich (1751) den Stand von 545 Bewohnern zu erreichen. Für die einzelnen Wohnplätze liegen erstmals 1649 Bevölkerungszahlen vor, als es in Mittelfischach 137, Engelhofen 72, Weiler elf und Unterfischach 144 Bewohner gab. In Unterfischach und in Engelhofen wurde der Getreidebau in der Dreizelgenwirtschaft betrieben (1657). 1581 ist in Mittelfischach ein offenbar damals schon nicht mehr einträglicher Weinanbau nachweisbar. Eine Mühle in Unterfischach wird 1400 erwähnt, und um 1600 wird die Errichtung einer neuen Sägemühle in Weiler erwogen. Der Flurnamen »Ziegelhalde« in Unterfischach (1572) verweist auf eine Ziegelbrennerei. Zwischen 1590 und 1613 gab es in Mittelfischach zwei, Engelhofen drei und Unterfischach zwei Weber. 1586 werden Wirtshäuser in Mittelfischach und Unterfischach erwähnt. 1543 ist in Mittelfischach eine Badestube nachweisbar, und 1706 wurde der Mineralbrunnen angelegt.

Ersterwähnung: 1319
Kirche und Schule: 1319 sind erstmals die Pfarrei, die Pfarrkirche sowie deren Sankt-Johann-Patrozinium nachweisbar. Der Pfarrei unterstanden Unterfischach, Engelhofen und Weiler. In der vorreformatorischen Zeit unterstand sie dem Kapitel Hall der Diözese Würzburg und ab 1613 der Superintendentur Obersontheim. Das Patronatsrecht an der Kirche traten die Grafen von Hohenlohe 1482 an die Limpurger ab. Mit dem erstmaligen Auftreten eines evangelischen Pfarrers 1538/39 begann ein wohl längerer reformatorischer Prozess, jedoch waren in Engelhofen Mitte des 18. Jahrhunderts zwei der drei comburgischen Untertanen katholisch. Am Langhaus der gotischen Turmchorkirche kam es 1595 zu größeren Arbeiten. 1603 richtete ein Schulmeister eine Schule ein, die 1603/04 von 34 Schülern besucht wurde. 1679 gab es insgesamt 55 Schüler, davon 33 aus Mittelfischach, 13 aus Unterfischach und zwei aus Weiler. Ein 1614 geplantes Schulhaus ist erst für 1751 sicher belegbar. Evangelische Pfarrkirche 1960 unter Erhaltung des alten Turmes neu erbaut, Sichtbeton mit großer Fensterfront, der gotische Turmchor dient heute als Taufkapelle, im Langhaus aufgedeckte Fresken wurden an die neue Altarwand und in die Taufkapelle versetzt. Katholiken zu Bühlertann.
Patrozinium: St. Johann
Ersterwähnung: 1319

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