Kappishäusern - Altgemeinde~Teilort 

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Typauswahl: Ortsteil – Historisches Ortslexikon
Typ: Teilort
Ersterwähnung: 1396

Ortslage und Siedlung
(bis 1970):
Archäologische Funde auf der Gemarkung Kappishäusern an der Straße nach Metzingen weisen in die Jungsteinzeit zurück. Im Mittelalter sind weder eine Burg noch Ortsadel nachzuweisen. Ein Herr »Egilwart de Cappis«, der um 1101 in einer Alpirsbacher Quelle erwähnt wird und mit Kappishäusern in Verbindung gebracht wurde, hat offenbar nichts mit dem Ort zu tun, der erstmals 1396 urkundlich erwähnt wird, weshalb es sich wohl um eine späte Rodungssiedlung handelt. Das am Westfuß des Jusi an der Straße Kohlberg-Dettingen relativ hoch gelegene Kappishäusern besteht aus zwei Weilern, dem Vorder- beziehungsweise Oberen Weiler und dem Hinter- beziehungsweise Unteren Weiler, deren Siedlungskerne die sogenannten Kappes-Häuser waren, zwei wenige hundert Meter voneinander entfernt liegende Höfe, deren Besitzer »Kappes« hießen. Ein Zusammenhang zwischen dem aus einem Personennamen abgeleiteten Ortsnamen mit den hier begüterten Kappenherren, die im früheren Ortswappen zu finden waren, ist abzulehnen, da diese sich erst 1477 in Urach niederließen und in Kappishäusern seit 1493 als Inhaber des sogenannten Aubrecht Diemen Guts nachgewiesen sind. Von 1635 bis 1651 war der Ort unbewohnt. Von elf steuerpflichtigen Gebäuden 1634 blieben im Jahr 1655 noch sechs übrig. Im Süden besitzt der Ort ein Wachstumsgebiet.
Historische Namensformen:
  • Cappus hüsern 1396
  • Cappushusern
Geschichte: 1396 verkaufte Bertha von Seeburg alle von ihrem Bruder Hans ererbten Güter, Rechte und Leute an Eberhard III. von Württemberg, darunter eine Frau zu Kappishäusern, womit dieser Ort erstmals in den schriftlichen Quellen fassbar wird (»Cappushusern«). Drei Jahre später stimmten ihr Neffe Pfaff Kraft von Seeburg und seine beiden Schwestern dem Verkauf an Württemberg zu, das im Laufe des 14. Jahrhunderts schon mehrfach Seeburger Besitz erworben hatte und auch in Kappishäusern die Hohe Obrigkeit erlangte. Mit den Seeburgern sind die frühesten Grundherren in Kappishäusern nachweisbar. Die wiederholte Behauptung, dass Kappishäusern ursprünglich den Grafen von Achalm-Urach gehört habe, deren Erbe die Württemberger bereits 150 Jahre vor der Ersterwähnung von Kappishäusern angetreten hatten, beruht wohl auf dem Schluss, dass diese auch im benachbarten Kohlberg begütert waren. Ein Hinweis darauf könnte in der möglichen Identifizierung des 1303 in einer Urkunde König Albrechts für Zwiefalten genannten Ortes »Mittelkolnberg« mit dem Vorderen Weiler zu Kappishäusern bestehen. Seit 1424 ist das Kloster Zwiefalten als geistlicher Grundherr in Kappishäusern präsent. 1520 besaß es einen Hof, ein Gut und einen Baumgarten, 1682 wird ein Hof im Hinteren Weiler als zum Kloster gehörig bezeichnet, dessen Besitzungen 1750 an Württemberg übergingen. Ein weiterer geistlicher Grundherr war das Stift Urach, das 1493 einen Lehenhof besaß. Der Besitz dieser sogenannten Kappenherren in Kappishäusern ging im Zuge der Reformation 1534/35 an Württemberg über, das zum bedeutendsten Grundherren hier wurde. Weitere Lehen, das Hundtslehen und das Fliegelinslehen gehörten der Pfarrei Dettingen, die auch den Heu- und Kleinzehnten vom Vorderen Weiler ganz und vom Hinteren Weiler teilweise einzog. 1558 gehörte Kappishäusern ins Gericht nach Neuffen, seit 1602 ins Gericht Kohlberg. Die Gemeinde, die als Besitzer von Wald und einer Kelter in Erscheinung tritt, besaß bis zum Ende des 18. Jahrhunderts kein eigenes Rathaus. 1808 bis 1972 zum Oberamt bzw. Landkreis Nürtingen.
Wirtschaft und Bevölkerung: Mit seinen 1545 verzeichneten acht Steuerpflichtigen war Kappishäusern der kleinste Ort im aus 13 Gemeinden bestehenden Amt Neuffen. Die Bevölkerungszahl kann auf 36 Menschen geschätzt werden, deren durchschnittliches Vermögen 67 Gulden betrug, weshalb wir hier – neben Kohlberg – die ärmste Gemeinde im gesamten Amt vor uns haben. Im Laufe des 30-jährigen Krieges fiel die Bevölkerung auf ein Drittel zurück. Während 1634 zwölf Haushalte besteuert wurden, waren es 1655 nur noch vier. 1655 lebten in Kappishäusern wieder 20 Einwohner. 50 Jahre später (1702) hatte sich die Einwohnerzahl mehr als verdreifacht (69), 1765 bereits wieder verfünffacht (104). Am Ende des Alten Reiches wohnten hier 129 Menschen. An Wiesen und Gärten wurden 1634 41 Morgen, 1655 33 Morgen also noch knapp 81 Prozent aufgeführt, während die Äcker um fast 90 Prozent zurückgingen, statt 99 Morgen (1634), wurden nur noch 10 Morgen (1655) bearbeitet. Die Waldwirtschaft fiel auf 60 Prozent zurück (43 Morgen 1634 – 26 Morgen 1655). Von 41 Morgen Weingärten blieben noch 8 Morgen, also rund 20 Prozent. Weinbau ist in Kappishäusern seit 1493 bezeugt. Da erst 1669 die Genehmigung zum Bau einer eigenen Kelter erteilt wurde, wurde in Kohlberg und in Dettingen an der Erms gekeltert. Wein, vornehmlich Weißwein, und zum Mosten und Dörren geeignetes Obst stellen die Haupterzeugnisse des Ortes dar. Die landwirtschaftlichen Erträge werden 1734 als die schlechtesten im ganzen Neuffener Amt bezeichnet. Wegen der Hanglage der Getreideäcker wurde bei Regenfällen guter Boden regelmäßig weggeschwemmt, und auch die Qualität der Wiesen (90 Morgen) war schlecht. Folglich waren auch Rindvieh- und Schafzucht von geringer Bedeutung. Als Weiden und Egarten wurden 38 Morgen genutzt, für die Waldwirtschaft 140 Morgen, wovon die Hälfte in Gemeindebesitz war. Handwerk und Wirtschaften gab es bis zum Ende des 18. Jahrhunderts in Kappishäusern nicht.

Ersterwähnung: 1958
Kirche und Schule: Kappishäusern besaß keine eigene Kirche, sondern war Filiale von Dettingen an der Erms im Dekanat Urach. Wegen des fehlenden Friedhofs fanden auch die Beerdigungen in Dettingen statt. Aufgrund des beschwerlichen Fußweges besuchten die Einwohner von Kappishäusern den Gottesdienst meist in der leichter erreichbaren Kirche zu Kohlberg und bemühten sich seit 1693 darum, von Dettingen nach Kohlberg umgepfarrt zu werden. 1768 wurde der vom Pfarramt Dettingen gestellte Antrag, seine Filiale anlässlich der Einweihung der Kohlberger Kirche mit der dortigen Pfarrei zu vereinigen, abschlägig beschieden. Bis ins 18. Jahrhundert besuchten auch die Kinder aus Kappishäusern in Kohlberg die Schule. In Kappishäusern ist 1743 erstmals ein Lehrer namentlich nachgewiesen, der 18 Schüler unterrichtete. Winterschule wurde spätestens seit 1738 abgehalten, eine Sommerschule ist seit 1763 belegt. 1785 wurden Winter- und Sommerschule von circa 30, 1802 von 25 Kindern besucht. Ein eigenes Schulgebäude wurde erst im 19. Jahrhundert errichtet. Evangelische Kirche von 1958. Katholisch nach Neuffen eingepfarrt.

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